In nahezu zwanzigjähriger Arbeit hat das Ehepaar Meister ein Nähmaschinen-Fachgeschäft in Schweinfurt aufgebaut, das in den Jahren 1937 bis 1939 den beachtlichen Jahresumsatz von rund 1000 Nähmaschinen erzielte. Die Kriegsfolgen, der Eiserne Vorhang, schnitt das Fachgeschäft von den Erzeugnissen der Ostzonen-Fabriken ab und die Nähmaschinenhersteller der Westzonen belieferten nur ihre Vorkriegs-Fachhändler. Was tun? Friedrich Meister schritt zur Selbsthilfe. Unter Mitwirkung eines Konstrukteurs, der aus der Nähmaschinen-Fabrikation kommt, wird Zug um Zug eine neue Nähmaschine konstruiert und gefertigt. Nach dem Umzug eines Großteils der Fabrikation in die Niederwerrner Straße im April 1948 beginnt im März 1949 die Serienfertigung. 

Erwähnenswert ist, dass zunächst alle Mittel in die Einrichtung einer Nähmaschinen-möbel-Fabrikation fließen. Monatlich wurden mit modernen Holzbearbeitungs-maschinen bis zu 500 Versenk- und Schrankmöbel ausgeliefert damit die Hausfrauen wieder über betriebsfertige Nähmaschinen verfügten.  Die Nähmaschinen-Konstruktion und -Produktion erfolgte also parallel zur boomenden Nähmachinen-Möbel-Fabrikation aus deren Erträgen. Im Frühjahr 1949 stockte der Absatz an Möbeln und eine Flaute war spürbar.  Nach der Währungsreform 1948 erfolgt die Umwandlung der Einzelfirma in eine Familien-GmbH. Als Firmenname ist „Meister-Werke“ schnell gefunden. 

Die Flaute der Nachfrage nach Nähmaschinenmöbel im Frühjahr 1949 – in der Fabrikation stehen 80 Arbeitskräfte auf dem Spiel – wird als Chance begriffen. Die umfassenden Vorarbeiten in die Konstruktion der „Meister Universal Zick-Zack-Nähmaschine“ werden genutzt und mit der Montage der Präzisionsmaschinen begonnen.  Im Oktober 1949 feiert die Firma bereits ein kleines Jubiläum. Die 1.000 Zick-Zack-Nähmaschine ist hergestellt. Damit hat sich die Firma vom „Ein-Mann-Betrieb“ zu einer leistungsfähigen Fabrik mit 130 Beschäftigten in nicht einmal vier Jahren entwickelt. Die Überwindung von Zwangslagen (Ausschluss von Warenlieferungen / bedrohte Arbeitsplätze) und der ungebrochene Wille zum Erfolg, führten zu dieser positiven Entwicklung.

 

Am 15.04.1974 erfolgte die Übernahme der Meister-Werke durch die Firma Husqvarna. Sämtliche Gesellschaftsanteile der Meister-Werke GmbH, Schweinfurt, gehen in den Besitz des schwedischen Husqvarna-Konzerns über. Die Pressemitteilung von Husqvarna vom 27.05.1974 spricht von einer Transaktion, die neue Akzente am europäischen Nähmaschinenmarkt setzt. Husqvarna gehört zu den bedeutenden Herstellern von Freiarm-Nähmaschinen in der Welt. Die neue Nähmaschinen-Konstellation Husqvarna-Meister sei „in jedem Falle dazu angetan, den Umfang der Meister-Werke zu erweitern und die Sicherheit der Arbeitsplätze zu gewährleisten.“  

 

Am 07.09.1983 schreibt das Schweinfurter Tagblatt: Husqvarna will sein Werk schließen – Betriebsrat: „Die Katze ist aus dem Sack“ – 160 Arbeitsplätze bei „Meister“ stehen auf dem Spiel.“ Der Aufsichtsrat der Firma Husqvarna in Schweden hat empfohlen, das Werk Schweinfurt zu schließen. Die Hälfte der einst über 300 Beschäftigten ist bereits der Rationalisierung zum Opfer gefallen. 

 

Meilensteine:

15.04.1928   

Eröffnung des Nähmaschinen-Fachgeschäfts (Einzelfirma) in der Brückenstraße 

1937

Erwerb eines Geschäftshauses mit großen Lagerräumen in der Oberen Straße 13

1937-1939

Verkauf von über 1.000 Nähmaschinen pro Jahr

1944

Friedrich Meister im Einsatz bei der Luftabwehr verwundet /                                  Geschäftshaus durch Bombentreffer zerstört

1945-1946

Trümmer- und Schuttentfernung. Verkauf der im Keller des zerstörten                     Geschäftshauses eingelagerten noch brauchbaren Nähmaschinen und Teile.    

Bau einer großen Halle aus den vorhandenen Mauersteinen.

Ab 1946

Herstellung und Verkauf von Nähmaschinenmöbeln. Tausende durch                     Kriegseinwirkung zerstörte Untergestelle müssen ersetzt werden.

Ende 1946 steigt die Möbelproduktion auf monatlich 115 Stück. 

03/1946

Beginn der Vorarbeiten zur Konstruktion und Fabrikation von Nähmaschinen.

Einstellung von Herrn Stärk (ehemaliger Betriebsleiter der                                 Nähmaschinenfabrik Vesta-Altenburg / ehemaliger Hauptlieferant).

02/1947 – 03/1949

Aufbau der Einrichtungen für die Fabrikation von Nähmaschinenteilen.

04/1948

Verlegung der gesamten Holzbearbeitung in das ehemalige Wehrmachtsgebäude

an der Niederwerrner Straße.

Umzug der Abteilung Werkzeug und Maschinenbau in die nunmehr freie Fertigungshalle in der Oberen Straße.

06/1948

Gründung der „Meister-Werke GmbH“, Schweinfurt (Umwandlung der                       bestehenden Einzelfirma in eine Familien-GmbH).

07/1948

Währungsreform / Hoher Bedarf und Auftragsbestand an                                          Nähmaschinenmöbeln / Ausstoß monatlich 550 Stück.

10/1948

Nach Einrichtung der Nähmaschinenmontage in der Oberen Straße im Nebengebäude (alte Reichsvogtei) und weiteren Fertigungsbereichen Beginn der Bearbeitung von Nähmaschinenteilen für die Nullserie.

01/1949

Montage der ersten Nähmaschine. Die erste „Meister-Universal Zick-Zack-Nähmaschine“ beweist ihre guten Näheigenschaften auf Anhieb. Die Neukonstruktion funktionierte ohne Mängel (!).

03/1949   

Serienfertigung der Präzisionsnähmaschine „Meister Kl. 101“.

10/1949  

Fertigung der 1.000 Zick-Zack-Nähmaschine / Hohe Inlandsnachfrage.

Ende 1949

Erster Exportauftrag nach Niederlande.

1950

Verlegung der gesamten Nähmaschinenteile-Produktion und der Montage ins Werk Niederwerrner Straße.

Ab 1950

Laufende Ergänzung des Maschinenparks durch Raumangebot in der                      Niederwerrner Straße möglich. Laufende Verbesserung und                                    Vergrößerung der Modellpalette an Möbeln und Nähmaschinen.

 Ausbau eines neuen Ladens im Segnitz-Haus und Nutzung des Nebenbaus des

Segnitz-Hauses für Verwaltung und Verkauf. 

1952       

Raumprobleme durch Produktionssteigerung. Verhandlungen zur Übernahme des Gebäudes und der Werkhalle in der Niederwerrner Straße mit der Bundesvermögensverwaltung scheitern.

08/1953

Die Schreinerei, die Großteilefertigung, die Lackiererei und die Montage werden in das neu errichtete Werk Hammelburg verlagert. Obwohl  ausreichend Platz in Hammelburg für die gesamte Fertigung vorhanden ist, bleibt die Teilefertigung in Schweinfurt.

1956/1957

Errichtung einer Fertigungshalle für die Möbelfabrikation  und Versandabteilung auf ehemals städtischem Grund. Umbau des Mittelbaus (Versand) für das technische Büro, den Einkauf und den Werkzeugbau.

1957          

Aus wirtschaftlichen und auch aus Rationalisierungsgründen wird das Werk Hammelburg verkauft und die gesamte Produktion wieder nach Schweinfurt verlegt.

1957/1958 

Konkurrenzkampf im Nähmaschinensektor insbesondere durch fernöstliche Anbieter. Fachhändler ergänzen teilweise ihr Sortiment um japanische Billigmaschinen. 

1959

Entwicklung der Meister Zick-Zack-Maschine Kl. 110 als preiswertes Modell. Die Klasse 110 bleibt fast vier Jahre unverändert ein Renner im Verkauf.

1959

Entscheidung auch in das Kaufhausgeschäft einzusteigen. So werden 1959 der Kaufhauskonzern Kaufhof, später Hertie, Karstadt und auch Horten beliefert.  

07/1961

Präsentation der ersten Haushaltsnähmaschinen der Welt mit einer                          elektromagnetischen gesteuerten Knopflochautomatik.

29.09.1962

Offizielle Eröffnung des neuen Wohn- und Geschäftshauses in der Oberen Straße.

1965-1967

Deutsche Haushaltsnähmaschinen-Produktion sinkt von 560.000 auf 440.000.

Marktanteil der deutschen Hersteller sinkt in der Bundesrepublik Deutschland auf 32%. (Meister-Werke zum Vergleich: 1965: 18.973 / 1966: 18.133 / 1967: 19.537 Haushaltsnähmaschinen).

1966/1967

Präsentation der Freiarm-Nähmaschine als Modelle Klasse 360 und 361 im Jahr 1966. Bereits 1967 werden diese Modelle von der Frauenzeitschrift „FÜR SIE“ mit dem Qualitätsprüfsiegel ausgezeichnet.

1967/1968

Entwicklung einer neuen preiswerten Maschine mit der Programatik Klasse 50, 60 und 250. Die einfache Bedienung dieser Modellreihe und der günstige Preis                            bringen von Monat zu Monat steigende Verkaufszahlen.

11.06.1968

65. Geburtstag von Herrn Friedrich Meister.

30.08.1968

Einweihung der Automatenhalle (Die notwendige Produktionssteigerung war in den vorhandenen Räumlichkeiten nicht mehr zu realisieren. Die Automatenhalle wurde                        geplant und kurzfristig erstellt). 

1968

Verleihung der Schweinfurter Stadt-Medaille an Friedrich Meister.

1969

Aufnahme der Produktion von Industriemaschinen. Insbesondere Stickmaschinen-Oberteile für die Firma Zangs und Marcus bringen eine zusätzliche Auslastung der Fertigungskapazität.

1969

Baumaßnahmen zum Ausbau und zur Vergösserung der Montage, der                   Sozialräume und Einbau einer neuen Trafostation.

10/1971

Präsentation der Multimatik-Modellreihe Klasse 81, 181 und 281.

03/1973

Präsentation der 84er Modellreihe (81er Baureihe mit Transportsteuerung). 

1973

Rückzug von Friedrich Meister aus dem aktiven Geschäftsleben aus                       gesundheitlichen und persönlichen Gründen.

15.04.1974

Offizielle Übergabe an den schwedischen Husqvarna-Konzern. Die positive Auswirkung dieser Fusion kann man am Besten in der Produktionssteigerung von 1973 bis 1976 erkennen, nämlich von 22.207  auf 41.513 Haushaltsnähmaschinen im Jahr.

06.09.1974

Beisetzung von Friedrich Meister im engsten Kreise seiner Familie und seiner Mitarbeiter.

1975-1977

Verbesserung und Ergänzung der vorhandenen Typenreihe durch die Konstruktions- und Entwicklungsabteilung. Die Eingliederung von Meister in den Husqvarna-Konzern beeinflusst die Weiterentwicklung der Meister-Modelle positiv.

1978

Baumaßnahmen / Neubau West und Umbau / Ausbau der Montage.

1978

Neue Produktpalette.

1978

Betriebsjubiläum / 50 Jahre Meister Werke Schweinfurt / Firmenchronik

1983

Werksschließung

 

Internet, Stichwort "Meister Nähmaschinen", Version vom 3. Oktober 2018, 13:50 Uhr, abrufbar unter:

https://www.schweinfurtfuehrer.de/industriegeschichte/firmen-schweinfurt/meister-husquarna/

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