Köhler, Chemnitz

Gewerbe-/Industrienähmaschine, Flachbett, Geradestich, Brillengreifer, Hersteller: Bernhard Köhler, Chemnitz (Bilder: K. Oelgarten)
Gewerbe-/Industrienähmaschine, Flachbett, Geradestich, Brillengreifer, Hersteller: Bernhard Köhler, Chemnitz (Bilder: K. Oelgarten)

Im Frühjahr 2018 kaufte ich diese Köhler Schnellnäher-Maschine in der Nähe von Limbach-Oberfrohna und sah, dass die Plakette nicht Köhler, Altenburg darstellte sondern Bernhard Köhler, Spezialnähmaschinenwerk, Chemnitz. Die Nähmaschine befand sich in einem Nähschrank für Haushaltsnähmaschinen und wurde diesem angepasst, d.h.,die ursprünglichen Gussnasen an der Rückseite der Fundamentplatte waren abgeschliffen und durch angeschraubte Schaniere ersetzt worden. Bei meinen anschließenden Recherchen fand ich ein Gerichtsurteil vom 23. März 1917, in welchem die Fa. Bernhard Köhler, Chemnitz, gegründet 1865, die Fa. Hermann Köhler, Altenburg, gegr. 1871, erfolgreich verklagte, das Emblem und Wortzeichen "Köhler" nur auf die bisher in Altenburg gefertigten Haushaltsnähmaschinen zu gebrauchen. Denn die Altenburger Nähmaschinenfabrik produzierte nunmehr auch Industrienähmaschinen unter der Marke "Köhler", wogegen sich Köhler, Chemnitz wehrte.

Die Fa. Köhler in Chemnitz, gegründet 1865, produzierte und vertrieb ausschließlich Industrie- und Handwerkermaschinen.

 

Diese hier von mir vorgestellte Nähmaschine, bekannt auch als "Schnellnäher" bzw. High Speed Lockstitch Machine ist somit das erste bekannte Beleg-Exemplar der Fa. Köhler in Chemnitz! Wie soviele andere Firmen überlebte auch die Fa. Bernhard Köhler in Chemnitz den 2. Weltkrieg nicht. 

Ursprünglich wurde diese Nähmaschine von Willcox & Gibbs im Jahre 1899 eingeführt und im Laufe der Zeit von verschiedenen Herstellern mit mehr oder weniger kleinen Änderungen (nach)gebaut. Die Firmen Phoenix und Adler hatten diese Maschinen ebenfalls im Portfolio, Gritzner die Haushalt-Nähmaschine Rotunda.

 

Die Nähmaschine hat einen Lochriemen als Antrieb, was sie unglaublich leichtläufig macht und ist für den Betrieb mit Kniehebel vorgesehen. Sie kann bis zu 4000 Stiche pro Minute leisten in sauberster Qualität und näht ausschließlich vorwärts. Die Drehrichtung des Handrads erfolgt im Uhrzeigersinn. Das Einstellen der Stichlänge geschieht durch Eindrücken des Knopfes in den Maschinenarm und Drehen des Handrads.In dem kleinen Fenster am Maschinenarm erscheinen Zahlen von 7 – 34, lässt man den Knopf bei der Zahl 7 los, ergibt das eine Stichlänge von ca. 3,6 mm, die Zahl 34 steht für eine Stichlänge von 0,74 mm. Die Funktion des Fadenlegerhebels wurde in das stirnseitige Rad über eine Art Dreieck zwischen zwei Scheiben genial verlegt. Anfangs verhedderte sich der Faden bei Fadenriss gern im Inneren dieser Scheibe, so dass man bald einen Fadenzufuhr-Stop entwickelte, zu sehen auf der Rückseite neben der Fadenspannung. Der Fadengeber kann an verschiedene Nähstoffdicken angepaßt werden, dazu dient die Schlitzschraube an der Fadengeberscheibe mit der Bezeichnung "dünn – mittel – dick". Entsprechend der Stoffdicke wird diese Schraube verstellt. Bei dünnen Stoffen muß der Pfeil auf "dünn" zeigen, bei mittleren auf "mittel" und bei dicken Stoffen auf "dick". Die Nadeln dieser Maschinen haben an einer Seite eine lange, auch durch den Nadelkolben gehende Nute. Diese lange Nute muß stets nach links stehen, wenn die Nadel in der Maschine sitzt. Ursprünglich empfohlen wurden Nadeln Nr.75 von Leo Lammertz, Aachen. Die Nadeln gab es in den Stärken/Nummern 00, 0, 1, 2, 3, 4, 5 und 6. In der Wäscheindustrie wurde vielfach die Nadel Nr. 2, dazu als Obergarn Nr. 90 4 fach und als Untergarn Nr. 70 von der Firma Göggingen benutzt.

Das Öffnen der Schieberplatte geschieht durch Drehen derselben nach dem Nähenden zu. Die Brille läßt sich nur öffnen, wenn die Nadel exakt am obersten Punkt steht. Durch Druck auf den an der Rückseite des Brillenwinkels sitzenden Riegel öffnet sich die Brille leicht und die Spulenkapsel ist bequem zu ergreifen.

Die Spulen haben die originalen Willcox & Gibbs-Maße.

 

Trotz der grazilen Erscheinung ist diese Nähmaschine eine Industrie-Nähmaschine, welche vorwiegend in der Wäsche-Industrie eingesetzt wurde. Gleichwohl, wer die Freude hat, solch eine Maschine zu besitzen, kann sie auch mit Fußantrieb betreiben.

 

Text: K. Oelgarten

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